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2006.04.26 - Europas beste Bauten

Europas beste Bauten

Mies van der Rohe Preis 2005

Preis der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur

27. April bis 9. Juni 2006

Der Juryentscheid für den Preis der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur – Mies van der Rohe Preis 2005 ging an den viel beachteten Bau „Niederländische Botschaft in Berlin“ der Architekten Rem Kolhaas und Ellen van Loon (Office for Metropolitan Architecture). ARCHITEKTUR IM RINGTURM präsentiert vom 27. April bis 9. Juni 2006 das Siegerprojekt, das Projekt zum Anerkennungspreis für viel versprechende junge Architektur sowie weitere 31 ausgewählte Projekte aus insgesamt 242 Einreichungen zu dieser renommierten Auszeichnung. Alle Bereiche architektonischen Schaffens werden abgedeckt, von gestalterischen Eingriffen in die Landschaft, öffentlichen Projekten, Universitätseinrichtungen oder Sportbauten, Verwaltungsgebäuden bis zu wegweisenden Arbeiten im Einfamilienhaus- und Wohnbau sowie Kirchenbauten

Mit dem von der Europäischen Union und der Stiftung Mies van der Rohe geschaffenen Preis werden alle zwei Jahre herausragende Leistungen der europäischen Architektur prämiert. Die in Betracht kommenden Arbeiten werden von einer Gruppe unabhängiger Experten für zeitgenössische Architektur aus ganz Europa, den Mitgliedervereinigungen des Architects’ Council of Europe und anderen nationalen europäischen Architektenvereinigungen vorgeschlagen.

Für jede Verleihung wählt die Jury aus diesen Nominierungen eine Arbeit aus, die den Preis der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur – Mies van der Rohe Preis erhält.

Der Preis besteht aus einem Geldbetrag von 50.000 Euro und einer Skulptur des katalanischen Künstlers Xavier Corberó. Eine weitere Skulptur und ein mit 10.000 Euro dotierter Sonderpreis wird an ein Werk als Anerkennung für viel versprechende junge Architekten für hervorragende Leistungen in Entwurf, Technik und Bau verliehen. Zudem wählt die Jury auch eine Reihe beispielhafter Arbeiten für einen Katalog und eine Ausstellung aus.

Der Juryentscheid: Aus insgesamt 242 eingereichten Projekten wählte die aus neun Mitgliedern bestehende internationale Jury - unter dem Vorsitz der Preisträgerin von 2003, Zaha Hadid - fünf Projekte. Neben der prämierten niederländischen Botschaft in Berlin von Office for Metropolitan Architecture (OMA) / Rem Koolhaas und Ellen van Loon gelangten folgende Bauten in die engere Wahl: das Forum 2004 Esplanade und Photovoltaik-Anlage (Barcelona) von José Antonio Martínez Lapeña und Elías Torres Tur; das Städtische Stadion (Braga, Portugal) von Eduardo Souto de Moura; das Kaufhaus Selfridges & Co. (Birmingham, Großbritannien) von Future Systems / Jan Kaplicky und Amanda Levete sowie der Hauptsitz der Swiss Re (London, Großbritannien) von Foster and Partners.

Diese fünf Projekte wurden von der Jury besichtigt und nach einer zweiten Jurysitzung der Preis an die Niederländische Botschaft in Berlin von OMA / Rem Koolhaas und Ellen van Loon vergeben.

Der Preis für viel versprechende junge Architektur („Emerging Architect Special Mention“; Alterslimit: 40 Jahre zum Zeitpunkt der Realisierung des nominierten Werkes; ebenso muss ein weiteres Werk bereits fertiggestellt sein) ging an die Gruppe NL Architects / Pieter Bannenberg, Walter van Dijk, Kamiel Klaasse, Mark Linnemann für die BasketBar auf dem Campus in Utrecht (Niederlande). Das Projekt ist Teil eines Entwicklungsplanes von OMA für den Universitäts-Campus, der vorsieht, den Gebäudebestand durch den Neubau universitätsnaher Programme in Clustern nachzuverdichten. Die Jury glaubt, „dass NL Architects die Fähigkeit gezeigt haben, innovative und visuell überraschende Strukturen zu schaffen.“ Das Projekt ist eine Erweiterung eines bestehenden Buchladens. Die auskragende Deckenplatte des Erdgeschosses ist bis über die Fluchtlinien der benachbarten Gebäude hinaus ausgedehnt. Die bemerkenswerte Flachheit des Baus wird durch das überdimensionierte Dach verstärkt. Über dem Dachrand befindet sich ein Basketballfeld, darunter eine elegante und sportliche Bar. Der Barraum ist im Boden versenkt. Alle Außenfassaden sind verglast und verbinden Intimität in der Bar mit extensiver Aussicht. Eine orange „Pool-Anlage“ am Vorplatz vor der BasketBar lädt zum Verweilen ein und stellt eine Kombination einer versunkenen Terrasse, eines Mini-Amphitheaters und des Behindertenzugangs dar. Das XL-Dach der Bar ist ein perfekter Ort für ein Basketballfeld, das mit einem 7 Meter hohen Netzkäfig umgeben ist.

Erfreulich für Österreich ist die Aufnahme von vier Bauten in die engere Wahl: Es sind dies das Kunsthaus Graz von Peter Cook, Colin Fournier; das T-Center St. Marx in Wien von Günther Domenig, Hermann Eisenköck, Herfried Peyker; das Kindermuseum in Graz von fasch&fuchs sowie das EFAFLEX Verwaltungszentrum in Baden in Niederösterreich von ARTEC / Bettina Götz, Richard Manahl.

Das Siegerprojekt: Niederländische Botschaft in Berlin, OMA / Rem Koolhaas und Ellen van Loon. Die Jury notierte, dass das Botschaftsgebäude eine kraftvolle Neukonzeption der Bauaufgabe Botschaft sowie eines Gebäudes im städtischen Gefüge darstellt. OMAs Entscheidung, sich weder dem städtebaulichen Raster zu unterwerfen noch ein solitäres Monument zu schaffen, sondern statt dessen ein sorgfältig geformtes Gebäude zu planen, das die Frage nach der Identität einer Regierung oder eines Landes offen lässt, wurde positiv hervorgehoben. Die Entscheidung der Jury wurde weiters bekräftigt durch eine den hohlen Block schlängelnde Wegführung, die sorgsam gerahmte Blicke auf die Stadt frei gibt, eine verführerische Folge von Räumen erzeugt, kombiniert mit der Differenziertheit im Einsatz verschiedener Materialien und optischen Effekten.

Der Bauherr wollte ein freistehendes Gebäude ausgestattet mit den Sicherheitserfordernissen für ein konventionelles Bürgerservice und verbunden mit typisch holländischer Offenheit. Traditionelle (frühere Westberliner-) Stadtplanungsrichtlinien verlangten, dass das neue Gebäude einen Baublock im Stil des 19. Jahrhunderts ergänzen sollte. Die (früheren Ostberliner-) Stadtplanungsvertreter standen dem Vorschlag für einen freistehenden Kubus auf ein – den Block ergänzendes – Podium gestellt, positiv gegenüber. Eine Kombination beider konnte verwirklicht werden.

Das Botschaftsgebäude liegt als gläserner Würfel am Ufer der Spree. Das transparente Hauptgebäude ist ein Solitär und wird von einem L-förmigen Trakt (mit Botschaftsappartements und Infrastruktur) umrahmt, eine gelochte Metallfassade wirkt leicht wie ein Vorhang.

Ein durchgehender Gang zieht sich als wichtiges Schlüsselelement vom Foyer bis zum Dach über alle acht Geschosse der Botschaft. Diese Wegführung wurde sozusagen aus dem Kubus „herausgeschnitten“, die Arbeitsräume sind die „übrig gebliebenen“ Bereiche entlang der Fassade. Alles ist durch den Pfad miteinander verbunden, der offene Einblicke in die Welt einer Botschaft gewährt statt verschlossene Türen vorzufinden. Empfangsbereiche befinden sich im Inneren des Kubus, halböffentliche Räume sind in der Nähe der Fassade sowie im auskragenden Gebäudeteil über dem Eingangsbereich angesiedelt. Vom Eingang führt der Weg über eine Bibliothek, Tagungsräume, Fitnessbereich bis zum Restaurant auf der Dachterrasse, deren Dach geöffnet werden kann und den Blick in den Himmel freigibt. Manchmal führt der Pfad durch die Aussenhaut hindurch auf eine gläserne Gangway, manchmal gestattet ein grüner Glasboden Blicke in die untere Ebene. Verschiedene Blickwinkel ermöglichen die Sicht auf die Spree, den Fernsehturm oder den Park. Eine aus der Fassade herausragende Skybox mit Ausblick auf die Stadt dient als spezieller Sitzungsraum.

Verschiedene Materialien – Glas, perforiertes Metall, Stahl, Holz, Stein – wurden eingesetzt. Dadurch wurde ein Gesamteffekt von Leichtigkeit, Luftigkeit und Dynamik erzielt, der dem Projekt einen anti-monumentalen Charakter verleiht.

Die Wegführung fungiert zudem als Hauptluftleitung, die Frischluft zu den Büros leitet und über die doppelte Fassade des Saales abgeführt wird. Das Lüftungskonzept ist Teil einer Strategie, mehrere Funktionen in einem Element zu integrieren. Diese Strategie findet auch beim strukturellen Konzept Anwendung. Die an die Wegführung angrenzenden Innenwände sind tragende Balken, die gerade soweit übereinanderliegen, um genügend Lasten abzuleiten. Dadurch entstehen in den unteren Geschossen des Gebäudes große offene Räume. Tragende Glasflächen, die im Falle eines Brandes herausfallen können, wobei die Struktur intakt bleibt, tragen die Geschossplatten an der Stelle, wo die Wegführung an der Fassade ankommt. Zwischen „Kubus“ und „Wohntrakt“, die mit einer Zugangsstraße verbunden sind, liegt ein Hof mit viel Freifläche. Er bietet ein Panorama über die Spree und den Park. Um den Unterschied zu den umgebenden, mit Stein verkleideten Bauten, zu betonen, wurden Sockel und Wand des „Wohntrakts“ mit Aluminium verkleidet.

Die Ausstellung: Die Schau zu „Europas beste Bauten 2005“ wurde 2005 in Paris erstmals gezeigt. Als Wanderausstellung kommt sie jetzt - gerade rechtzeitig im Jahr der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft - nach den Stationen Madrid und Barcelona nach Wien in das Ausstellungszentrum im Ringturm. Zu sehen sind das Siegerprojekt und das mit der Anerkennung für viel versprechende junge Architekten ausgezeichnete Werk sowie weitere 31 Projekte. Pläne, Fotos sowie 27 Modelle veranschaulichen die architektonische Vielfalt in Europa.

Katalog (englisch und spanisch): European Union Prize for Contemporary Architecture. Mies van der Rohe Award 2005 / Premio de Arquitectura Contemporánea de la Unión Europea; 256 Seiten mit zahlreichen Abbildungen; Verlag Actar, Barcelona 2005; Preis 35 Euro.

Die Ausstellungsprojekte:

Niederländische Botschaft in Berlin, Deutschland (Preisträger)

OMA

Rem Koolhaas und Ellen von Loon

BasketBar, Utrecht, Niederlande (Emerging Architect)

NL Architects

Pieter Bannenberg, Walter van Dijk, Kamiel Klaasse, Mark Linnemann

Hauptsitz Swiss Re, London, Großbritannien

Foster and Partners

Kaufhaus Selfridges & Co, Birmingham, Großbritannien

Future Systems Jan Kaplicky, Amanda Levete

 

Forum 2004 Esplanade und Photovoltaik-Anlage, Barcelona Spanien

Antonio Martínez Lapeña und Elías Torres Tur

 

Städtisches Stadion, Braga, Portugal

Eduardo Souto de Moura

 

T-Center St. Marx, Wien, Österreich

Architectur Consult ZT Günther Domenig, Hermann Eisenköck, Herfried Peyker

 

Efaflex Türsysteme, Baden, Österreich

ARTEC Architekten Bettina Götz, Richard Manahl

 

Ardennen Lederverarbeitung, Bogny sur Meuse, Frankreich

Patrick Berger, Jacques Anziutti

 

Museum der Weltkultur, Göteborg, Schweden

Cécile Brisac, Edgar Gonzalez

 

Kunsthaus Graz, Graz, Österreich

Peter Cook, Colin Fournier

 

Fußgängerbrücke und Gebäude der Hafenverwaltung Barcelona, Spanien

Mamen Domingo, Ernest Ferré, A. C. Aparicio

 

Schottisches Parlament, Edinburgh, Großbritannien

EMBT / Enric Miralles, Benedetta Tagliabue; RMJM / M.A. Duncan, T.B. Stewart

 

 

Minicity Modellpark, Antalya, Türkei

Emre Arolat, Gezin Evren, Elif Karaelmas, Cagri Yilmaz

 

Kindermuseum, Graz, Österreich

Fasch&Fuchs, Hemma Fasch, Jakob Fuchs

 

Park an der Südost Küste, Barcelona, Spanien

Foreign Office Architects Farshid Moussavi, Alejandro Zaera Polo, Lluis Viú Rebes, Pablo Ros, Sergio López-Pineiro, Daniel Valle

 

Viadukt in Millau, Frankreich

Norman Foster, Michel Virlogeux

 

Ministerium für Kultur und Kommunikation – Ilôt des Bons Enfants, Paris, Frankreich

Francis Soler, Frédéric Druot

 

Einfamilienhaus „Living Room“, Gelnhausen, Deutschland

Gabriela Seifert, Götz Stöckmann

 

Jugendzentrum, Paris, Frankreich

Jean-Marc Ibos, Myrto Vitart

 

Restaurierung Martos Mühle und Aussichtsterasse am Guadalquivir“, Córdoba, Spanien

Juan Navarro Baldeweg

 

Sozialer Wohnbau, Mulhouse, Frankreich

Anne Lacaton, Jean-Philippe Vassal

 

Kirche in Kärsämäki, Finnland

Lassila & Hirvilammi / Anssi Lassila

 

Internationales Konferenzzentrum, Barcelona, Spanien

MAP Architekten / Josep Lluis Mateo

 

Ferrari-Produktentwicklungszentrum, Maranello, Italien

Massimiliano Fuksas

 

Sphinxen, Huizen, Niederlande

Willem Jan Neutelings, Michiel Riedijk

 

Kunstzentrum Casa das Mudas, Calheta, Madeira, Portugal

Paulo David Andrade

 

Kloster „Unsere Liebe Frau von Novy Dvur“, Tepla u Touzime, Tschechien

John Pawson

 

Jugendzentrum am Meer, Kopenhagen, Dänemark

PLOT / Bjarke Ingels, Julien de Smedt

 

Rathaus, Henningsdorf, Deutschland

sauerbruch hutton architekten

Matthias Sauerbruch, Louisa Hutton, Jens Ludloff, Juan Lucas Young

 

Vista, Dungeness, Großbritannien

Simon Conder

 

An Turas Fährschiffsanlegestelle, Isle of Tiree, Großbritannien

Sutherland Hussey Architects / Charlie Sutherland, Charlie Hussey

 

UBU Universitätsbibliothek Utrecht, Niederlande

Wiel Arets & Associates / Wiel Arets

 

 

Kuratoren:Fundació Mies van der Rohe, Barcelona

 

Öffnungszeiten:

Montag bis Freitag: 9.00 bis 18.00 Uhr; freier Eintritt

(an Feiertagen sowie vom 15. bis 18. Mai geschlossen)


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