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2001.04.17 - Architektur im 20. Jahrhundert

Architektur im 20. Jahrhundert: Schweden

25. April bis 18. Mai 2001


In der Veranstaltungsreihe ARCHITEKTUR IM RINGTURM präsentiert die Wiener Städtische von 25. April bis 18. Mai 2001 schwedische Architektur des 20. Jahrhunderts. Dargestellt wird die Entwicklung der Baukunst von der Entstehung einer regionalen Formsprache am Beginn des vergangenen Jahrhunderts bis zu den großen Bauaufgaben der 60er-Jahre.

Die Ausstellung im Ringturm präsentiert die Architektur des 20. Jahrhunderts in Schweden auf breiter Basis. Sie zeigt die Interaktion zwischen regionalen Charakteristika und internationalen Einflüssen und kommentiert auch die Geschichtsschreibung Schwedens.


Die schwedische Architektur: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Schweden ein spärlich bevölkertes Agrarland. Die durch die Industrialisierung entstandenen Ressourcen und Bedürfnisse führten dazu, dass Miethäuser, Privatvillen, Schulen, Kirchen usw. in der neuen, wachsenden Gesellschaft gebaut wurden. Die Auftraggeber stammten vor allem aus wichtigen Institutionen der Gesellschaft, was zur Folge hatte, dass eine gut durchdachte und aufwendige Architektur entstand.
Durch Einflüsse aus dem Ausland, wie z.B. die Arts and Crafts-Bewegung aus England, und die Übernahme der älteren, schwedischen Bautraditionen wurden die neuen Gebäude aus "echtem" Material wie Holz, Ziegelsteinen und Granit gebaut. Ein gutes Beispiel dafür ist die von Lars Israel Wahlman auf einem Hügel in Stockholm errichtete Engelbrektskyrkan (Engelbrechtskirche, 1914)
Das Hauptwerk dieser Periode ist das von Ragnar Östberg erbaute Stockholmer Stadthaus (1923) mit seinem rustikalen Äußeren aus Ziegelstein und der prachtvollen Innenausstattung, die Züge von Klassizismus aufweist. Außer Östberg verwendeten u.a. Ivar Tengbom und Gunnar Asplund eine verfeinerte Variante von Neoklassizismus, die international als Swedish Grace bekannt wurde. Asplund erbaute 1921 das Listers Härads Tingshus (Kreisgerichtsgebäude von Listers in Sölvesborg), das aus einfachen, geometrischen Formen und glatten, hell verputzten Außenwänden besteht.


Der Funktionalismus: Mit einer großen Ausstellung in Stockholm im Jahre 1930 erfolgte der Durchbruch des Funktionalismus in Schweden. Gunnar Asplund, Hauptvertreter des Funktionalismus, war Chefarchitekt der Ausstellung. Viele andere Architekten, die später großen Einfluss erreichten, nahmen daran teil.
Der Wohnungsstandard in Schweden war für viele sehr niedrig und durch die neue, funktionelle und vereinfachte Architektur sollte die Situation verbessert werden. Soziale Reformen und die Machtergreifung der sozialdemokratischen Partei führten zur Förderung des sozialen Wohnungsbaus.
Da der rein funktionalistische Stil allgemein nicht sehr geschätzt war, wurde er nach und nach mit traditionellen Zügen vereint. Im Waldkrematorium (Teil des Waldfried-hofes, 1940) in Stockholm kombinierte Gunnar Asplund das funktionalistische Volumen der kleineren mit den klassizistischen Säulen der großen Kapelle zu einer Einheit von zeitlosem Modernismus.
Die traditionelle Architektur: Während und nach Beendigung des 2. Weltkrieges trug Schwedens Isolierung dazu bei, dass sich die traditionellen Züge innerhalb der Architektur verstärkten. Bei der Städteplanung wurde die Nachbarschaftseinheit als tragende Idee berücksichtigt. Gröndal in Stockholm, Rosta in Örebro und Guldheden in Göteborg sind einige Beispiele für die neue Wohlfahrtsgesellschaft.
Größtes Interesse, auch im Ausland, weckte das Vällingby Centrum im Westen Stockholms, das im Jahre 1954 eingeweiht wurde. Das neuartige am Entwurf der Architekten Backström & Reinius war, dass bereits in der Planung die Zentrumfunktionen über der Station der Untergrundbahn konzentriert angeordnet wurden sowie Arbeitsplätze und Wohnungen in unmittelbarer Nähe vorgesehen waren.
Die Wirtschaft florierte und die Architekten hatten viele Aufträge. Aber es mangelte an Wohnungen mit gutem Standard, da immer mehr Menschen in die Städte zogen. 1965 beschloss die Regierung, dass innerhalb von zehn Jahren eine Million Wohnungen erbaut werden sollten. Dies führte dazu, dass vorfabrizierte und produktionsgesteuerte Bausysteme entwickelt wurden. Sowohl Ein- als auch Mehrfamilienhäuser wurden in rascher Folge gebaut.


Der Strukturalismus: Auch bei großen Bürokomplexen wurde die strukturalistische Formensprache angewendet wie z.B. die Staatliche Garnison (1972) in Stockholm, die vom Architekturbüro A4 entworfen wurde. Villen und Kirchengebäude gestalteten die Architekten während dieser Periode wesentlich expressiver. In dieser Art entwarf z.B. Sigurd Lewerentz die St. Petri Kirche (1963) in Klippan, Südschweden.
Einer der Architekten, der außerhalb der gleich gerichteten Architektur der 50er und 60er Jahre stand, war Ralph Erskine, der aus Schottland nach Schweden kam und ein Bewunderer des schwedischen Modells war. Das Wohngebiet Nya Bruket (1974) in Sandviken erhielt eine abwechslungsreiche Gestaltung.
In den 70er-Jahren, einer Phase repressiver wirtschaftlicher Entwicklung, war das Vertrauen in die Architekten gering. Man versuchte neue Wege auf dem Bausektor zu finden, indem man die zukünftigen Mieter am Planungsprozess teilnehmen lassen wollte und ökologische Aspekte berücksichtigte. Während der 80er-Jahre reduzierte sich der öffentliche Einfluss innerhalb der Planung, stattdessen erhöhte sich der Einfluss der privaten Bauunternehmer und Firmen.


Die Internationalisierung: Moderne Gebäude für Büros und Industrie erhielten einen internationalen Charakter. Gleichzeitig gab es mehrere Architekten, die in kleineren Projekten einen "kritischen Regionalismus" entwickelten. Der Architekt Carl Nyrén arbeitete viel mit der Holzbautechnik für moderne Gebäude. Das Landesmuseum (1991) in Jönköping sieht aus wie ein Werkstattgebäude mit glasierten Innenwänden aus Beton und Holzflächen. Gert Wingårdh ist zurzeit einer der erfolgreichsten Architekten in Schweden. Er hat u.a. die Laboratorien für Astra (1996) in Mölndal entworfen, ein Bau in moderner High-Tech Architektur von internationalem Rang.
Die Internationalisierung ist dadurch erkennbar, dass ausländische Architekten große Aufträge in Schweden erhalten haben. Der Spanier Rafael Moneo gewann im Jahre 1991 den Wettbewerb für das neue Moderna Museet und das Architektur Museum in Stockholm. 1998 wurden die beiden Museen eingeweiht.
Die Ausstellung: Anhand von rund 230 Zeichnungen und Photos wird die facettenreiche Architektur Schwedens im Ringturm präsentiert.
Architekt Rasmus Waern produzierte die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Architekturmuseum in Schweden für das deutsche Architekturmuseum in Frankfurt. Die überarbeitete Wanderausstellung wurde in Argentinien/Buenos Aires, Estland/Tallin, Lettland/Riga und Vilnius mit der Unterstützung des Schwedischen Instituts in Stockholm gezeigt.
Die Ausstellung wird durch die schwedische Regierung unterstützt und ist Teil der Kulturaktivitäten im Rahmen der schwedischen EU-Präsidentschaft im Frühjahr 2001.


Der Katalog: Die Ausstellung wird von einem umfassenden Katalog begleitet. Dieses Standardwerk der schwedischen Architektur des 20. Jahrhunderts enthält Beiträge von Björn Linn, Eva Eriksson, Eva Rudberg, Claes Cadenby, Kerstin Wickman und Thorbjörn Andersson.
"Schwedische Architektur des 20. Jahrhunderts. Ein Land bauen": Englische, Deutsche und Schwedische Ausgabe, zahlreiche Abbildungen, 400 Seiten, Prestel Verlag, München 1998, Preis 450 Schilling.

Kurator: Architekt Rasmus Waern (für das Architektur Museum Schweden)


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