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2000.09.20 - Die neue Stadt 1927 - 1961

DIE NEUE STADT 1927 - 1961.

Funktionalistischer Städtebau im Vergleich: Hans Scharoun in Berlin und die Gruppe Opbouw in Rotterdam.

18. Oktober bis 24. November 2000


In der Veranstaltungsreihe ARCHITEKTUR IM RINGTURM präsentiert die Wiener Städtische von 18. Oktober bis 24. November 2000 einen Vergleich funktionalistischen Städtebaus von 1927 bis 1961. Gegenübergestellt werden die Projekte des Architekten Hans Scharoun in Berlin und Werke der Gruppe Opbouw in Rotterdam.


Die Ausstellung behandelt städtebauliche Idealmodelle, entwickelt von der internationalen Avantgarde in den 30er Jahren und ihre Realisierung in den 50er Jahren.


Funktionalismus: Stellvertretend werden dazu zwei Strömungen in der Entwicklung der Modernen Architektur und ihrer städtebaulichen Modelle herausgegriffen und vergleichend analysiert. Die eine Richtung kann als Produktionsfunktionalismus bezeichnet werden. Als bestimmend für diese Strömung werden neue Produktionsmöglichkeiten und -bedingungen für künftige Lebensweisen und deren Formgebung erachtet.
Für die andere Richtung hat sich die Bezeichnung organischer Funktionalismus eingebürgert. Hier werden Form und Programm ohne einen Zwang von Produktionsbedingungen aneinander gekoppelt.
In ihren Gestaltungen gehen beide Richtungen vom Primat der Funktion aus, kommen aber in der weiteren Ausarbeitung zu mitunter konträren Ergebnissen. Sowohl der Produktionsfunktionalismus als auch der organische Funktionalismus konsolidieren sich in den 30er Jahren und können ihre Ideen während der 50er Jahre im Rahmen des Wiederaufbaus umsetzen.


Stellvertretend für die erste Richtung steht in dieser Untersuchung das Werk der Rotterdamer Gruppe ‚Opbouw‘, (Aufbau) deren bedeutendste Vertreter die Architekten Mart Stam (1899-1986), Willem van Tijen (1894-1974), Johannes van den Broek (1898-1978) und Jacob Bakema (1914-1981) sind.
Die zweite Richtung wird – nicht nur in dieser Ausstellung – hauptsächlich durch das Werk des Berliner Architekten Hans Scharoun (1873–1972) verkörpert.
Um den prinzipiellen Unterschieden beider Richtungen gerecht zu werden, wurde beim Vergleich von ein und derselben Entwurfsaufgabe ausgegangen: die Wohnung und der Wohnungsbau.
Die Auswahl der jeweiligen Vertreter des so genannten Neuen Bauens sowohl aus den Niederlanden als auch aus Deutschland begründet sich durch die Tatsache, dass gerade für diese Architekten der Wohnungsbau eine der bedeutendsten architektonischen Aufgaben ihrer Zeit war.
Auch die Themen der ersten CIAM-Kongresse (Congrès Internationaux de l’Architecture Moderne) – ‚Die Wohnung für das Existenzminimum‘ (1929) und ‚Rationelle Bebauungsweisen‘ (1930) – sind ein deutlicher Spiegel dieser Haltung.
Aufgrund der unterschiedlichen Ansätze (Produktionsfunktionalismus und organischer Funktionalismus) ist es nicht verwunderlich, dass innerhalb der CIAM relativ schnell ein Bruch zwischen beiden besagten Richtungen erfolgt: 1931 verließen Scharoun und seine Anhänger die CIAM, noch bevor die politischen Entwicklungen in Europa nach 1933 viele der Betroffenen in die Diaspora zwang.


Hans Scharoun und die Gruppe ‚Opbouw‘: Im Werk Scharouns führte die Zeit des Nationalsozialismus zur Diskontinuität. Er arbeitete zwar in Deutschland weiter, distanzierte sich aber völlig von allen offiziellen Instanzen. Er baute während dieser Zeit lediglich einige Häuser für Freunde und Bekannte.
Im Gegensatz dazu kamen seine niederländischen Kollegen gerade in den 30er Jahren zum Bauen und konnten einige Aufsehen erregende Projekte fertig stellen.
Ein weiterer Unterschied besteht in der Tatsache, dass im Fall Scharouns vom Werk eines einzelnen Architekten gesprochen werden kann, während die Rotterdamer Architekten als Gruppe arbeiteten. Obwohl Scharouns Arbeit seine Inspiration auch aus Theorien anderer, wie z.B. von seinem Freund und Kollegen Hugo Häring bezog, trägt sie dennoch unverkennbar seinen persönlichen Stempel.
Die hier vorgestellten niederländischen Architekten fühlten sich sowohl als Individualisten als auch im Kollektiv zuhause. Sie waren auch außerhalb der Gruppe ‚Opbouw‘ in wechselnden Partnerschaften tätig. So zum Beispiel Van Tijen und Van den Broek, die seit 1927 regelmäßig zusammenarbeiteten.
Ab 1934 arbeitet Van Tijen auch mehrere Male mit Mart Stam, bevor er 1938 eine Partnerschaft mit Maaskant begründet. Im gleichen Jahr wird Van den Broek – nach dem Tod Van der Vlugts – einer der Partner des ehemaligen Büros Brinkman und Van der Vlugt. Beide Büros waren während der Kriegsjahre an der Vorbereitung von Plänen für den Wiederaufbau in Holland beteiligt. In dieser Phase tritt auch der junge Bakema als Angestellter bei Van Tijen zum ersten Mal auf, nachdem er 1939 bei Mart Stam sein Diplom an der Academie van Boukunst in Amsterdam erhalten hatte und bevor er 1948 einer der Partner des Büros Brinkman Jr. und Van den Broek wurde.


Der Titel: „Die neue Stadt“ bezieht sich auf eine ebenso benannte Ausstellung von Hans Scharoun aus dem Jahr 1946. Kurz nach dem Krieg, in dem deutsche Städte zum Teil stark zerstört wurden, präsentierte er seine Entwürfe für den Wiederaufbau in Berlin. Scharoun blickte zu diesem Zeitpunkt bereits auf zwei Jahrzehnte intensiver Arbeit zurück, eine Zeit, in der er seine Konzepte entwickelt und zum Teil bereits realisiert hatte.
Die Ausstellung: Das Ergebnis der intensiven Auseinandersetzung über unterschiedliche Ansätze in funktionalistischer Architektur am Lehrstuhl Prof. Risselada in Delft wird in Form von Fotos, Plänen und in etwa zehn speziell angefertigten Modellen präsentiert. In zwei Computeranimationen werden die Projekte „Charlottenburg Nord“ (Scharoun) und „Kennemerland“ (Opbouw) vorgestellt.
Original-Publikationen zu den CIAM sowie zu den einzelnen Protagonisten der Untersuchung werden in Vitrinen zu sehen sein.
Nach Delft, Berlin, Prag, Zürich und Lausanne ist die Ausstellung nun in Wien zu sehen.


Der Kurator: Max Risselada ist Professor der Abteilung für Baukunde an der Technischen Universität in Delft, Niederlande.
Er ist Autor verschiedener Publikationen und Ausstellungen zu Themen der Architektur der Moderne, u. a. „Raumplan versus Plan Libre“, eine Untersuchung, die die Entwurfsansätze Adolf Loos und Le Corbusiers einem Vergleich unterzieht.


Der Katalog: „Funktionalismus 1927 – 1961. Hans Scharoun versus die Gruppe Opbouw.“ Konzept und Redaktion: Max Risselada. Mit Beiträgen von Jos Bosmann, Klaus Kürvers und Jeroen Schilt. Ausführliches Bild-und Planmaterial in SW u. Farbe auf 208 Seiten, Verlag Niggli, Sulgen, Schweiz 1999, Preis 510 Schilling (ISBN 3-7212-0373-9).

Leihgeber:
Architekturfakultät Delft
Private Sammlungen
(Bücher/Originaleditionen zu Scharoun, Opbouw und CIAM)

Fotomaterial auf Anfrage


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