RÄUME DER KUNST. Konzepte, Projekte und Realisierungen von Künstlern. 8.
Oktober bis 13. November 1998
In der Diskussion um Museen und Ausstellungsräume kommt es immer wieder zu gegensätzlichen Statements von Architekten und Künstlern. Die Diskussion wird dabei weitgehend beherrscht von der Sicht der Architektur. Künstler haben andere Vorstellungen über Ausstellungsräume als Architekten. Die Schau „Räume der Kunst“ im Ausstellungszentrum Ringturm der Wiener Städtischen leistet einen Beitrag zu diesem Thema.
Der amerikanische Bildhauer und Minimal Art-Künstler Donald Judd hat einmal treffend bemerkt, die Museen wären heutzutage in den seltensten Fällen funktionell, sondern vielmehr Ruhmeshallen der planenden Architekten, und daraus die Frage gestellt, warum man nicht die Künstler oder Bildhauer fragt, wie man so ein Haus zu bauen hat.
Die Ausstellung „Räume der Kunst“ präsentiert eine Auswahl von Arbeiten, die gemeinsam in Form von Zeichnungen, Entwürfen, Skizzen, Videos und Texten Antworten von Künstlern auf diese Frage zu geben versuchen.
Der Anlaß: Dieselbe Frage nach der Funktionalität neuerer, von Architekten geplanter Museen und ihrer Adäquatheit für zeitgenössische Kunst war auch der Anlaß für die Ausstellung „Das Museum in der Vorstellung der Künstler“ (Le musée imaginé par les artistes), die der Espace de l'Art Concret in Mouans-Sartoux, Südfrankreich, 1997 zusammenstellte (Arbeiten von Max Bill, Daniel Buren, Christoph Haerle, Marcia Hafif, Gottfried Honegger, François Moreelet, Bernar Venet). Von Seiten des Kunsthauses wurde die Ausstellung mit Beiträgen von Helmut Federle, Donald Judd und Franz Erhard Walther ergänzt.
Im Umfeld der Sammlung konkreter und konstruktiver Kunst im Espace de l'Art Concret wurden die genannten Künstler eingeladen, Statements und Visionen zu Museen und Ausstellungsräumen abzugeben und aus ihrer spezifischen künstlerischen Position heraus „Räume der Kunst“ zu formulieren. In Anlehnung an das Museum für eine kleine Stadt von Ludwig Mies van der Rohe (1942), einem durchdachten Museum für konkrete Kunst mit bescheidenen Dimensionen, wurden die Künstler aufgefordert, nicht detaillierte Pläne auszuarbeiten, sondern eine Idee, eine Vision, eine Utopie zu realisieren.
Das Kunsthaus Bregenz hat diese Ausstellung mit dem Espace de l’Art Concret weiterentwickelt und im Juni dieses Jahres in Bregenz gezeigt. Auf Einladung der Wiener Städtischen wird „Räume der Kunst“ in einem kritischen, erweiterten Rahmen nun im kürzlich eröffneten Ausstellungszentrum Ringturm dem Wiener Publikum präsentiert.Gezeigt werden dabei auch konkret formulierte oder bereits realisierte Museumsprojekte: Zeichnungen und Fotografien von Max Bill (Projekt für ein Museum in Lausanne, 1991), Donald Judd (Projekt Marfa, Texas), Erwin Heerich (Museum Insel Hombroich, Deutschland), Per Kirkeby (Museumsprojekt in Aars und Aarhus, Dänemark), Gerhard Merz (Projekte 1995-1998), Franz Erhard Walther (Kunsthalle Ritter, Klagenfurt), Cornelius Kolig (Das Paradies, Kärnten).
Kunst und Raum: Ein roter Faden in der Auseinandersetzung mit dem Kunstwerk und dem Raum, in dem es präsentiert wird, ist die Rückbezüglichkeit von Raum und Werk sowie die Idee vieler Künstler, den Raum als spezifisches Umfeld für ein Werk zu betrachten - vor allem für ihr eigenes Werk. Das Museum als Raum der Kunst ist erst in weiterer Überlegung die Ausformulierung des musealen Präsentationsgedankens.
Der architektonische Raum als künstlerisches Werk ist ein weiterer Teil in dieser Gedankenkette. An ihrem Schluß steht die Auffassung des Raums als gesamtkunstwerkliche Anlage, in der Leben, Arbeit und Werk zu einer Einheit werden.
Die Gegenüberstellung gesamtkunstwerklicher Anlagen mit reinen Präsentationsräumen dokumentiert die Spannungsfelder beim künstlerischen Schaffen im Hinblick auf die Formulierung des Raums. Die Bandbreite definiert sich nicht nur nach den bloßen Kriterien der Ausstellungspräsentation, sondern impliziert den Kunstbegriff und den Stellenwert des Raums, der in diesem enthalten ist. Der Raum wird zum konstitutiven Element des Kunstwerks. Gerhard Merz, Erwin Heerich oder auch Peter Wigglesworth unterscheiden nicht zwischen dem Raum und dem Werk, beides konstituiert gleichermaßen die Kunst. Merz vollendet diesen Ansatz, indem der Raum, der Ort und das Werk zu einer untrennbaren Einheit verschmelzen.
Großen Stellenwert in der Ausstellung nehmen die Original-Statements von Künstlern zum musealen Ausstellungsraum ein. Sie ermöglichen es, einen Einblick in das sehr unterschiedliche Denken der Künstler zu gewinnen und ihre unterschiedlichen Ansätze bei Räumen der Kunst zu verfolgen und zu vergleichen und schließlich auch über das Spannungsfeld zwischen Kunst und Architektur nachzudenken.
Der Katalog: Der zur Wiener Ausstellung erscheinende farbige Katalog (Verlag Anton Pustet, Salzburg) wird zusammen mit der noch im Herbst dieses Jahres vom Kunsthaus Bregenz herausgegebenen Anthologie (Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln) eine zu diesem Thema einmalige und umfassende Dokumentation darstellen (Textbeiträge von den Ausstellungskünstlern und u.a. von Rainer Ganahl, Richard Serra, Frank Stella, Peter Weibel, Heimo Zobernig).
Die Künstler: Arbeiten folgender Künstler, zum Großteil in Originalarbeiten sowie in Modellen, Fotos und Textbeiträgen, werden gezeigt:
Georg Baselitz
Max Bill
Daniel Buren
Heinrich Dunst
Helmut Federle
Christoph Haerle
Marcia Hafif
Erwin Heerich
Gottfried Honegger
Donald Judd
Per Kirkeby
Cornelius Kolig
Gerhard Merz
François Morellet
Walter Pichler
Ulrich Rückriem
Franz Erhard Walther
Bernar Venet
Peter Wigglesworth
Heimo Zobernig
In Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus Bregenz und
Espace de l’Art Concret, Mouans-Sartoux
Kurator: Prof. Edelbert Köb
Assistenz: Mag. Herbert Abrell
Gestaltung: Mag. Adolph Stiller