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1999.07.27 - Städtezeichnungen

ARCHITEKTUR IM RINGTURM:

Städtezeichnungen. Zeichnen als visuelle Reiseerinnerung.

27. Juli bis 7. September 1999


In der Veranstaltungsreihe ARCHITEKTUR IM RINGTURM zeigt die Wiener Städtische von 27. Juli bis 7. September 1999 Städtezeichnungen des österreichischen Architekten Friedrich Kurrent. Kurrent hat seine Reiseeindrücke aus Europa, Vorderasien und Nordafrika in Form von Federzeichnungen festgehalten.

Die Ausstellung: Architekten haben immer schon gezeichnet, nicht nur Entwürfe für Bauten, sondern aus Lust und als Übung für Auge und Hand. Die Ausstellung beschäftigt sich mit einem für diese Jahreszeit passenden Thema: Reisen. Eindrücke von Reisen sind anhand von 76 Originalzeich-nungen des Architekten Friedrich Kurrent zu sehen. Seine Städtezeichnungen sind visuelle Erinnerungen aus den vergangenen zwanzig Jahren. Angeordnet sind die Zeichnungen als eine Reise – ausgehend vom klassischen Griechenland und endend in Paris.


Der Architekt: Friedrich Kurrent (geb. 1931) studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Clemens Holzmeister. 1952 bis 1964 war er Mitglied der Arbeitsgruppe 4 zusammen mit Wilhelm Holzbauer, Johannes Spalt und Otto Leitner. Anschließend arbeitete er bis 1976 mit Johannes Spalt. 1973 bis 1996 war er Professor an der Technischen Universität in München. 1959 erhielt Kurrent den Österreichischen Staatspreis für Architektur und 1979 den Architekturpreis der Stadt Wien.


Zu den wichtigsten Bauten der Arbeitsgruppe 4 zählen unter anderen die Pfarrkirche in Salzburg-Parsch (1953 - 1956), das Café ¾ in Wien (1954), das Seelsorge-zentrum in Steyr-Ennsleiten (1958 - 1961) und das Kolleg St. Josef in Salzburg-Aigen (1961 - 1962). In Zusammenarbeit mit Johannes Spalt gestaltete Friedrich Kurrent unter anderen die Werkshalle der Firma Wittmann in Etsdorf/Niederösterreich (1964 - 1966), die Terra-Baumaschinen AG in Wien (1964 - 1967), die „Neue Galerie“ und Sekundärgalerie des Kunsthistorischen Museums in Wien (1967 - 1968) und die Z-Filiale in Wien-Floridsdorf (1971 - 1974).


Eigene Bauten von Friedrich Kurrent sind die Bergkapelle in Ramingstein in Salzburg (1990 - 1991) und die Kirche in Kirchham in Oberösterreich (1998).
Friedrich Kurrent verbindet seit Jahrzehnten seine Haupttätigkeit als Architekt mit der des Zeichnens. Auf Reisen durch Europa, Vorderasien und Nordafrika haben sich seine Skizzenbücher mit Zeichnungen von Bauwerken, städtebaulichen und topographischen Situationen gefüllt. Im Sinne eines modernen Reisehandbuchs können diese Städtezeichnungen auch als echte Alternative zu den gängigen, häufig nur allzu impressionistischen Fotobänden, gesehen werden.


Die einzelnen Städtezeichnungen sind Notizen eines Architekten, der zeichnend die Unverwechselbarkeit des Ortes festhält. Oft wurden für eine Zeichnung auch mehrere Standorte gewählt. Dies ist eine eigene Vorgangsweise von Kurrent, mit der er die Begrenztheit der Möglichkeiten einer Kamera zu übertreffen sucht.
Der Betrachter steht vor etwas Ungewöhnlichem: vor Bildern zwischen Kunst und Dokumentation, zwischen Stadtplan und Stadtbild, zwischen genauer Erfassung und rücksichtsloser Ausklammerung von Einzelheiten.


Friedrich Kurrent über seine Städtezeichnungen: „Ich zeichne, was man nicht fotografieren kann. So laufe ich von einem Ende einer Stadt zum anderen. Türme sind mir zwar willkommen, oft ist die Sicht von dort oben aber enttäuschend. Naturalistisch. Daher nehme ich Hilfsmittel zur Hand: Grundrisse, Ansichtskarten, Stadtpläne... jedes Hilfsmittel ist erlaubt. Baubeschreibungen, Stadtbeschreibungen, Entstehungs- und Entwicklungsgeschichten, topographische Pläne bereichern das Wissen um einen Bau, um ein Ensemble, um eine Stadt – ersetzen aber keineswegs die direkte Anschauung. Beide zusammen, die sinnliche Begreifbarkeit und Einmaligkeit des Ortes samt seiner Geschichtlichkeit bilden Hinter-grund und Realität einer Architekturzeichnung. Vielleicht ist es aber die Tätigkeit, der Vorgang des Zeichnens selbst, der die visuelle Erinnerung prägt?“


Für Friedrich Kurrent ist Zeichnen ein unverzichtbares Mittel für Wahrnehmung und visuelle Erinnerung. Der Betrachter der Zeichnungen wird seinerseits zu Aufmerksamkeit und eigenem Sehen angeregt, mit einer visuellen Sprache konfrontiert, die Faktizität und Ästhetik als Einheit faßbar macht.
In Vitrinen werden Originalzeichenblöcke mit den Skizzen ausgestellt. Jede einzelne Zeichnung wird in der Ausstellung von einem kurzen Text des Architekten begleitet. Er gibt persönliche und theoretische Bemerkungen zum jeweiligen Sujet wieder und bildet auf diese Art einen nachvollziehbaren, verbalen Kontext.


Die Publikation: Als Dokumentation wird die vor kurzem erschienene Kassette „Städtezeichnungen“ aufgelegt. 76 Zeichnungen auf ausklappbaren Doppelseiten im Originalformat der Zeichenblöcke, 31,8 x 23,9 cm. Textheft, 32 Seiten, mit einem Einleitungsessay der schwedischen Kunsthistorikerin Karin Lindegren. Sie war wesentlich an der Entstehung dieser Publikation beteiligt. Verlag Anton Pustet, Salzburg, 820 Schilling.


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