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1999.05.26 - Das Haus Tugendhat

ARCHITEKTUR IM RINGTURM:

Das Haus Tugendhat. Ludwig Mies van der Rohe - Brünn 1930.

26. Mai - 16. Juli 1999


In der Veranstaltungsreihe ARCHITEKTUR IM RINGTURM zeigt die Wiener Städtische von 26. Mai bis 16. Juli 1999 das Haus Tugendhat in Brünn von Ludwig Mies van der Rohe. Es repräsentiert das Hauptwerk des Architekten während seines Schaffens in Europa und zählt zu den interessantesten und radikalsten Beiträgen zur privaten Wohnform der Moderne.

Der Anlass: Die Wiener Städtische präsentiert die Ausstellung in Zusammenarbeit mit der tschechischen Versicherungsgruppe Kooperativa, die sich mehrheitlich im Eigentum der Wiener Städtischen befindet. Die Restaurierung des Hauses Tugendhat, die Aktualität der Architektur der klassischen Moderne, die wirtschaftliche Verbundenheit der Wiener Städtischen mit Tschechien und das Engagement der Kooperativa auf dem Gebiet des Kultursponsorings sind Anlaß für die Schau.

Das Haus Tugendhat: Das Haus Tugendhat wurde von Fritz und Grete Tugendhat für ihre Familie 1928 in Auftrag gegeben und nach der Fertigstellung 1930 bezogen. Die Familie Tugendhat, die dem großbürgerlichen, jüdischen Unternehmertum entstammte, bewohnte es nur bis 1938. Bedingt durch die widrigen politischen Umstände, mußten sie in diesem Jahr Brünn verlassen.
Nach wechselvoller Geschichte und dem teilweisen Verfall wurde das Haus Mitte der 80er Jahre renoviert. Leider wurde dabei wertvolle Substanz zerstört.
Wegen verschiedener Baumängel soll das Haus jetzt neuerlich instand gesetzt werden. Die Arbeiten sollen dem international anerkannten Wert des Hauses entsprechend, auf höchstem restauratorischem Niveau und unter Beteiligung tschechischer wie internationaler Spezialisten erfolgen.

Der Architekt: Ludwig Mies van der Rohe (1886 - 1969) ist der wichtigste deutsche Vertreter der Architektur der Moderne und zählt zu den bedeutendsten Architekten dieses Jahrhunderts. Durch sein Wirken als Baukünstler und Lehrer an so bedeutenden Ausbildungsstätten, wie dem Bauhaus in Dessau (1930 - 1933) und am Illinois Institute of Technology, Chicago (1938 - 1958), hat er die Architektur nachhaltig beeinflußt.

Die Ausstellung: Die umfassende Dokumentation des Baus in Brünn wurde durch das Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München zusammengestellt (Leitung: Wolf Tegethoff) und Ende letzten Jahres in der bayerischen Landeshauptstadt gezeigt. ARCHITEKTUR IM RINGTURM hat die Ausstellung jetzt übernommen und erweitert.
Der Besucher erhält Informationen über Entstehungsgeschichte und Wirkung eines Hauptwerkes der Architektur der klassischen Moderne. Darüber hinaus soll die Ausstellung auf die Fragilität eines architektonischen Werks, seine unteilbare Gesamtheit und den daraus resultierenden, behutsamen Umgang bei Instandsetzungsarbeiten an Bauten der Moderne hinweisen.
Die Baugeschichte wird in zahlreichen, bisher unveröffentlichten zeitgenössischen Fotografien, Zeichnungen und Plänen, zum Teil Originalzeichnungen, dargestellt. Darüber hinaus werden Raumauffassung und Materialverwendung Ludwig Mies van der Rohes und seine Vorstellungen von Einrichtung als raumbildendes, architektonisches Element thematisiert. Eine Auswahl von Originalmöbeln zeigt eindrucksvoll das hohe künstlerische wie handwerkliche Niveau in der Gesamtherstellung des Hauses.

Der Katalog: Der Katalog schildert die allgemeine Entstehungsgeschichte des Hauses und thematisiert die am Bau verwendeten Materialien, die farbliche Gestaltung sowie die textile Ausstattung. Diese Elemente repräsentieren das Zeitspezifische in der Kultur des Wohnens der Moderne. Anhand internationaler Beispiele (Villa Savoye von Le Corbusier, Haus Schröder von G. Rietveld) werden kritische Überlegungen zum Umgang mit diesen sensiblen architektonischen Kompositionselementen dargestellt.
Der kultur- und architekturgeschichtliche Kontext der Stadt Brünn der dreißiger Jahre – die Entstehungszeit des Hauses – wird vorgestellt.
Im Anhang findet sich eine vollständige, kommentierte Inventarliste aller im Archiv des Brünner Stadtmuseums aufbewahrter Baupläne des Hauses und der Abdruck einer repräsentativen Auswahl.
Zahlreiche Abbildungen in schwarz-weiß und Farbe sind zum Teil erstmals publiziert. Verlag Anton Pustet, Salzburg, ca. 190 Seiten, engl. Broschur, Fadenheftung, 360 Schilling. Hrsg.: A. Stiller. Autoren: Bruno Reichlin, Arthur Rüegg, Jan Sapák, Adolph Stiller, Wolf Tegethoff, Stephan Templ.

Leihgeber:
Museum der Stadt Brünn
Bauhaus Archiv, Berlin
Neue Sammlung, München
Bauhaus Archiv, Dessau
Kunstbibliothek, Berlin
Private Archive und Sammlungen, Wien und Zürich


Kurator: Wolf Tegethoff, Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München

Adaptierung und Ergänzung der Ausstellung für Wien: Adolph Stiller


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