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Aktuelle Ausstellung

Skizzen für die Zukunft – Werner Sobek

forschen // entwerfen // konstruieren

2. Juli 2009 bis 16. Oktober 2009


Die Ausstellung widmet sich dem Schnittpunkt zwischen Architektur und Konstruktion, der verstärkt in den Vordergrund des baulichen Gestaltens rückt. Werner Sobek zählt mit seinen vielfältigen Aktivitäten international zu den wichtigsten Protagonisten auf diesem Gebiet. Als „forschender, entwerfender und konstruierender Ingenieur“ ist Werner Sobek – in Zusammenarbeit mit namhaften Architekten – bei der Erstellung von oft spektakulären Konzepten ebenso wie als Architekt mit eigenständigen Projekten und viel beachteten Bauten in Erscheinung getreten. Er ist Leiter des ILEK (Institut für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren der Universität Stuttgart), er lehrt in Stuttgart und ist Inhaber des Mies van der Rohe-Lehrstuhls am Illinois Institute of Technology.



Wiederholt haben sich die Ausstellungen der Reihe Architektur im Ringturm mit Themen beschäftigt, die auf den ersten Blick nur indirekt zur Architektur zählen: Waren es Standpunkte von namhaften Künstlern, die unter dem Titel Räume der Kunst hier präsentiert wurden oder Fragen der Einrichtung als Teil des Gebauten im Grenzbereich zum Design in Möbel für alle – immer standen diese Themen durch einen erweiterten bzw. umfassenderen Architekturbegriff in engem Bezug zur Architektur an sich.




Skizzen für die Zukunft


Eine Architektur, die den Anspruch besitzt, eine unserer und der kommenden Zeit angemessene Haltung zu formulieren, muss eine Architektur sein, die ihre Materialität und ihre Gestalt nicht durch Gestaltsetzung unter Rückgriff auf tradierte Formen und Materialien, sondern durch Gestaltentwicklung auf der Basis integraler Planungs- und Organisationsprozesse mit Hinblick auf aktuelle und zukünftige Formen des menschlichen Lebens findet.


Die Frage lautet nicht "Wie haben wir gewohnt und gearbeitet", sondern sie lautet "Wie werden wir wohnen und arbeiten". Die Antwort hierauf bedingt die unbedingte Antizipation des Kommenden, ein vielleicht hier und da in die falsche Richtung führender, hinsichtlich seiner intellektuellen Vertretbarkeit aber der einzige Weg. Oder, in der Formulierung von Hegel: "...dass die Furcht zu irren schon der Irrtum selbst ist".




Werner Sobek


Werner Sobek steht weltweit für Engineering, Design und Nachhaltigkeit. Seine Firmengruppe hat Niederlassungen in Stuttgart, Dubai, Frankfurt, Kairo, Khartum, Moskau und New York.
Die Arbeiten des Büros zeichnen sich durch hochklassige Gestaltung auf der Basis von herausragendem Engineering und ausgeklügelten Konzepten zur Minimierung von Energie- und Materialverbrauch aus.


Das 1992 gegründete Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern bearbeitet alle Typen von Bauwerken und Materialien. Besondere Schwerpunkte liegen im Leichtbau, im Hochhausbau, in der Fassadenplanung, in Sonderkonstruktionen in Stahl, Glas, Titan, Stoff und Holz sowie in der Planung von nachhaltigen Gebäuden.


Mit seinen vielfältigen Aktivitäten, die sich unter einer Kurzformel am besten als forschendes Entwerfen und Konstruieren zusammenfassen lassen, zählt Werner Sobek international zu den wichtigsten Protagonisten auf diesem Gebiet. Als „forschender, entwerfender und konstruierender Ingenieur“, ist er – in Zusammenarbeit mit namhaften Architekten und daher für den Laien meist unsichtbar im Hintergrund – bei der Erstellung von oft spektakulären Konzepten ebenso wie als Architekt mit eigenständigen Projekten und viel beachteten Bauten in Erscheinung getreten.


Werner Sobek arbeitet mit bedeutenden Architekten unserer Zeit wie Norman Foster, Meinhard von Gerkan und Volkwin Marg, Zaha Hadid, Hans Hollein, Christoph Ingenhoven, Helmut Jahn, Kisho Kurokawa und Dominique Perrault an Hochhäusern, Flughäfen, Bürogebäuden und Museen in der ganzen Welt.




Werner Sobek und das Institut für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren (ILEK) der Universität Stuttgart


Das Institut für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren (ILEK) der Universität Stuttgart vereinigt in Forschung und Lehre die in der Architektur dominanten Bereiche des Entwerfens und Gestaltens mit den im Bauingenieurwesen im Mittelpunkt stehenden Bereichen der Analyse und Konstruktion sowie der Materialwissenschaft. Auf der Grundlage einer zielorientierten und interdisziplinären Vorgehensweise befasst sich das Institut mit der konzeptionellen und werkstoffübergreifenden Entwicklung von allen Arten von Bauweisen und Tragstrukturen. Der Bogen der Arbeitsgebiete spannt dabei vom Bauen mit Textilien und Glas bis zu neuen Strukturen in Stahl- und Spannbeton. Vom einzelnen Detail bis zur gesamten Struktur geht es um die Optimierung von Form und Konstruktion hinsichtlich Material- und Energieaufwand, Dauerhaftigkeit und Zuverlässigkeit, Rezyklierbarkeit und Umweltverträglichkeit. Die Ergebnisse der Arbeiten werden zusammenfassend in der institutseigenen Schriftenreihe (IL) zweisprachig (deutsch/englisch) publiziert bzw. in gesonderten Forschungsberichten zu speziellen Themen einzeln veröffentlicht.


Werner Sobek trat im Jahr 1994 die Nachfolge von Frei Otto und im Jahr 2001 zusätzlich die Nachfolge von Jörg Schlaich an. Die Inhaber beider Lehrstühle haben in der Vergangenheit die weltweite Anerkennung der Universität Stuttgart im Leichtbau wie auch im Massivbau wesentlich gefördert. Mit der Vereinigung der beiden Lehrstühle durch Werner Sobek im Jahr 2001 werden erstmals zwei sich seit nahezu zwei Jahrhunderten voneinander entfernende Disziplinen, nämlich Architektur und Bauingenieurwesen, in einem symbolischen Akt in einem Institut zusammengefasst.


Als zweiter Professor wirkt Balthasar Novak am Institut. Die Forschungsarbeiten im Bereich Leichtbau werden von Dr. Walter Haase koordiniert. Momentan umfasst das interdisziplinäre Team um Werner Sobek am ILEK 35 Mitarbeiter.


Die Ausstellung gewährt einer breiten Öffentlichkeit erstmalig einen umfangreichen Einblick in das Arbeiten des interdisziplinären Teams, das am Institut für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren (ILEK) der Universität Stuttgart unter Leitung von Werner Sobek tätig ist. Ausgewählte Forschungsprojekte und Studienarbeiten zeigen anschaulich, wie am ILEK die Grenzen des Machbaren ausgelotet und weiter hinausgeschoben werden.


Das Ausstellungskonzept spiegelt den experimentellen, stark vernetzten Prozess des Forschens und Entwerfens am ILEK räumlich wider. Aus Gründen der Übersichtlichkeit wurden die verschiedenen Arbeitsgebiete und Forschungsbereiche vier Themenblöcken zugeordnet – auch wenn natürlich zwischen den einzelnen Themen keine klare Grenzziehung möglich oder gewollt ist. Die gezeigten Objekte beziehen sich aufeinander und behandeln Fragestellungen aus ganz unterschiedlichen Bereichen.


Die hier präsentierten Exponate geben einen Einblick in das äußerst vielschichtige und experimentelle Forschen und Entwerfen unter Werner Sobek, das – gleich ob es sich um bauphysikalische oder tragwerkstechnische, architektonisch-räumliche oder computergenerative Fragestellungen handelt – immer das Ziel verfolgt, leicht, nachhaltig und atemberaubend schön zu bauen.
 
Das Team des ILEK arbeitet eng mit verschiedenen Instituten und Hochschulen zusammen und veranstaltet mit diesen disziplinen- und länderübergreifende Workshops. Beispielhaft seien hier das Institut für Grundlagen moderner Architektur (IGMA) der Universität Stuttgart, die Harvard School of Design, das Illinois Institute of Technology (IIT) in Chicago und die Akademie der Bildenden Künste Stuttgart genannt.




Die vier Themenblöcke der Ausstellung


TRANSMISSIONS ADAPTIVITÄT
Unsere gebaute Umwelt ist statisch. Im Gegensatz zur lebenden Natur antwortet sie nicht auf die Veränderungen ihrer Umgebung. Dabei ist es naheliegend, tragende Konstruktionen zu konzipieren, dass sie die in ihnen entstehenden Beanspruchungszustände selbständig so manipulieren, dass Spitzenbeanspruchungen einzelner Bauteile vermieden werden. Auf diese Art können in teilweise erheblichem Maße Eigengewicht einer Konstruktion eingespart, Verformungen reduziert und Schwingungen unter dynamischer Beanspruchung gedämpft werden. Vergleichbare Überlegungen lassen sich auch auf andere Bereiche des Bauens übertragen wie zum Beispiel auf Gebäudehüllen. Eine selbst gesteuerte Adaption der Gebäudehülle in ihren bauphysikalischen Eigenschaften, d.h. beispielsweise in ihrer Lichttransmission, ihrer Schallabsorption, ihrer Energiereflexion etc., erlaubt eine Anpassung an unterschiedlichste Umgebungssituationen, so dass im Inneren immer optimale Bedingungen für den Nutzer herrschen.


MATERIAL KREATIVITÄT
Das ILEK widmet sich der experimentellen Erforschung von Materialien wie Glas, Textilien oder auch Ultrahochfester Beton (UHPC). Hierbei geht es nicht nur um eine bessere Kenntnis der Materialeigenschaften, sondern auch um die Entwicklung neuer Fertigungsweisen zum Beispiel von besonders dünnwandigen Betonkonstruktionen oder von doppelt gekrümmten Gläsern. Ziel ist dabei das Forschen für Übermorgen: nicht die graduelle Optimierung bestehender Techniken, sondern die Entwicklung grundlegend neuer Konzepte steht im Mittelpunkt. Die experimentelle Übertragung von Fertigungsmethoden von einem bestimmten Material auf ein gänzlich anders geartetes, führt oftmals zu überraschenden, ästhetisch überzeugenden Ansätzen, die dann in größeren Forschungsvorhaben ausgearbeitet werden.


PRODUKTIONS OPTIMIERUNG
Eine enge Kooperation mit der Industrie ist für das Team um Werner Sobek selbstverständlich, da der Übergang vom architektonischen Entwurf hin zur Realisierung optimal gestaltet werden soll. Eine besondere Rolle spielt dabei die Anwendungsoptimierung: zeitgenössische Architektur weist immer öfter komplexe Geometrien auf, die nur mit Hilfe von speziell entwickelten Computerprogrammen sinnvoll produziert werden können. An lebensgroßen Modellen werden deshalb computergesteuerte Produktionsmethoden untersucht, die nicht nur die Herstellung der komplexen Formen als solche, sondern gleichzeitig auch eine Materialminimierung ebenso wie eine Optimierung des Entwurfs bereits in frühen Planungsphasen ermöglichen.


SYSTEM MINIMIERUNG
Voraussetzung für den von Werner Sobek erforschten Ultraleichtbau ist das Überschreiten von Grenzen. Möglich wird dieses Überschreiten durch das Bauen mit Luft, Energie oder Bewegung. Bei den am ILEK entwickelten adaptiven Systemen zum Beispiel, werden die tragenden Strukturen mit Sensoren, Steuerungseinheit und Aktuatoren ausgestattet, so dass sie sich selbsttätig an die jeweils auf sie einwirkenden Belastungen anpassen können. Mit diesen Systemen gelingt es nicht nur, den Materialverbrauch auf ein bisher nicht für vorstellbar gehaltenes Minimum zu reduzieren; es wird ebenso möglich, Verformungen zu reduzieren und Schwingungen unter dynamischer Beanspruchung zu dämpfen. Weitere Möglichkeiten zu einer extremen Reduzierung des Eigengewichts sind unterdruckstabilisierte Konstruktionen oder der Einsatz von Klebeverbindungen im Bauwesen.



Durch didaktisch aufbereitete und visualisierte Themen umreißt die Ausstellung den aktuellen Stand der Ingenieurbaukunst in Praxis, Lehre und Forschung.


Aus der Tatsache, dass die Architektur immer näher an die sogenannte „Ingenieurkunst“ heranrückt bzw. sich beide Berufsbilder immer stärker verweben, soll auch dem Publikum eine Möglichkeit des Einstieges in die Themen Entwurf / Konstruktion / Materialien / Bauen / Forschen geboten werden.


Durch die Ansprache eines jungen, kurz vor oder am Beginn der Ausbildung stehenden Publikums, kann die Ausstellung als Entscheidungshilfe für eine künftige Berufswahl dienen. Das Publikum wird mittels anschaulicher, didaktischer Materialien angesprochen, sodass die Scheu vor dem Technisch-Mathematischen, die diesem Beruf gerne zugeschrieben wird, genommen wird.


Die Aufmerksamkeit für Architektur/Ingenieurkunst soll – nicht zuletzt durch den internationalen Rang Werner Sobeks und seiner Arbeit in weithin beachteter Praxis, Lehre und Forschung –medial verstärkt werden. Themen wie z.B. Nachhaltigkeit oder green technology werden in Zeiten der Energiediskussion immer wichtiger; hier werden Antworten in Weltspitzentechnologie gezeigt.


Präsentiert werden zahlreiche Fotos, Pläne und Modelle von realisierten Bauten aus dem Büro Werner Sobek sowie eine Reihe von außergewöhnlichen Forschungsobjekten aus dem ILEK in Stuttgart.

 


Eine begleitende Publikation „Skizzen für die Zukunft. Werner Sobek und das ILEK“ erscheint als Band 19 der Reihe Architektur im Ringturm.


Beiträge von Werner Sobek; William Baker, Partner SOM, Chicago; Jürg Conzett, Chur; Prof. Gert Eilbracht, FH Spittal/Drau; Hans Hollein, Wien; Christoph Ingenhoven, Düsseldorf; Helmut Jahn, Chicago; Prof. Klaus Linkwitz, Stuttgart; Dominique Perrault, Paris; Marco Pogacnik, IUAV Venedig; Lutz Sparrowitz, Prof. TU Graz; Adolph Stiller, Wien


Ca. 130 Seiten mit zahlreichen Abbildungen; Euro 25,–
StudentInnen, Wehr- und Zivildiener, Pensionisten (mit gültigem amtl. Ausweis); Euro 15,–



Kuratoren: Gert Eilbracht, Adolph Stiller


Gestaltung: Christian Bergmann


Projektleitung: Christian Bergmann, Frank Heinlein


Presseführung: Mittwoch, 1. Juli 2009, 10:30 Uhr
mit Werner Sobek und den Kuratoren

Eröffnung: Mittwoch, 1. Juli 2009, 18:30 Uhr


Ausstellungsort:
VIENNA INSURANCE GROUP (V.I.G)
Ausstellungszentrum im Ringturm
A-1010 Wien, Schottenring 30


Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag: 9:00 bis 18:00 Uhr, freier Eintritt
(an Feiertagen geschlossen)


Rückfragen:
Alexander Jedlicka
T: +43 (0)50350-21029
F: +43 (0)50350-99 21029
E-Mail: alexander.jedlicka@vig.com

 


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